Mai 20 2012
Echo Online 09. Mai 2012  | Von Andrea Stütz

Pfungstädter David Wills Stärke ist die Ruhe

Porträt – Der Pfungstädter reitet mit Erfolg internationale Turniere – Dritter bei der „Badenia“

Foto: Soerli Binder

 

„Mein erstes S-Springen habe ich vor zwei Jahren auf dem Mannheimer Maimarktturnier gewonnen“, erinnert sich David Will. Seitdem verbucht der 24 Jahre alte Springreiter immer mehr Erfolge für sich, so wie am Dienstag, als er zum Abschluss des Maimarktturniers Dritter bei der „Badenia“, dem Großen Preis von Mannheim, wurde.
Erst Ende April hatte sich der Pfungstädter als Fünfter beim Großen Preis in Hagen platziert, Anfang März hatte die deutsche Equipe um Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen), Jörg Oppermann (Gückingen) und Johannes Ehning (Borken) nicht zuletzt wegen zweier fehlerfreier Ritte des jüngsten Teammitglieds Gold beim Nationenpreis in Wellington (Florida) gewonnen. Will kehrte vom Frankfurter Festhallenturnier 2011 als Hessischer Hallen-Champion zurück und hatte sich davor unter anderem über beachtliche Platzierungen bei den deutschen Meisterschaften in Balve und beim Chio in Aachen gefreut.
Seither gilt er neben anderen jungen erfolgreichen Springreitern wie etwa Katrin Eckermann (Münster), Oppermann und Andreas Kreuzer (Steinfeld) als einer der Hoffnungsträger, der sogenannten „Jungen Wilden“, im Springsport.

Dabei ist Will gar nicht so wild: „Eine meine Stärken ist, dass ich immer ruhig bleibe, und mich nicht so schnell aus dem Konzept bringen lasse“, schätzt er sich selbst ein. Gleichzeitig liege darin aber auch seine Schwäche. „Es kann passieren, dass ich mich bei einer nicht so wichtigen Prüfung nicht so konzentriere, wie ich sollte“, gibt der gebürtige Bayer offen zu. Auch sonst präsentiert sich der Sportler als offen, sympathisch und bodenständig – nicht vergessend, dass ein „Partner“, wie Will seine Pferde bezeichnet, dabei eine besondere Rolle für ihn spielt: „,Don Cesar’, ich reite ihn seit zwei Jahren und er hat mich dahin gebracht, wo ich heute bin.“

Neben seinem 13 Jahre alten Jack-Russell-Terrier „Snoopy“ gehört noch ein weiterer Partner zu seinen wichtigsten Begleitern auf seinem Weg zu den Turniererfolgen: Dietmar Gugler. aufs Pfungstädter Gestüt des ehemaligen Bundestrainers für die Junioren-Springreiter kam der junge blonde Mann vor viereinhalb Jahren, um seine Ausbildung zum Berufsreiter zu beenden.
Ein Weg, der ihm quasi von klein auf vorgegeben wurde: Als Sohn der selbst erfolgreichen Turnierreiter und Ausbilder Sonja und Martin Will, die die Reitschule Gut Ising im Chiemgau leiten, wurde er im Sattel groß. „Ich saß auf dem Pferd, bevor ich laufen konnte“, erzählt Will. „Dann habe ich doch lieber Fußball gespielt.“ Aus der Fußballer-Karriere wurde nichts, „ich habe zwei linke Füße“, also setzte er wieder aufs Pferd. „Seit ich neun Jahre alt war, bin ich regelmäßiger geritten.“ Bald war ihm klar: „Ich will Berufsreiter werden.“
Also verließ er die Schule mit der mittleren Reife, „am liebsten wäre ich schon früher abgegangen, um endlich anzufangen.“ Begonnen hatte er seine Ausbildung zunächst in München, bevor er nach Südhessen zog, was ihm nicht schwer fiel: „Ich habe keine Angst irgendwo neu hinzukommen.“ Eine wichtige Voraussetzung für den Weg in die internationale Spitze des Springreitens. Denn fast jedes Wochenende ist der Springreiter europaweit oder sogar in Übersee unterwegs.

So steht nach dem Mannheimer Maimarkt-Turnier nun am kommenden Wochenende die Teilnahme beim Nationenpreis in Linz (Österreich) an. Das Wiesbadener Pfingstturnier lässt der Südhesse zugunsten des Super-League-Turniers in Rom ausfallen. „Ich fahre dort als Ersatzreiter hin, aber das ist schon toll“, berichtet er ein bisschen stolz. Eine Woche später startet David Will bei den deutschen Meisterschaften in Balve.